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Erneuerbare lösungen

6 Minuten Lesezeit

Der Bausektor bietet ein ungenutztes Potenzial zur Verringerung der Treibhausgasemissionen

Die gebaute Umwelt ist schätzungsweise der größte Sektor, der zu den weltweiten Kohlenstoffemissionen beiträgt. In diesem Artikel werden die Möglichkeiten zur Verringerung der Emissionen im Baugewerbe näher beleuchtet: von der Planung und dem Bau der Gebäude über den Betrieb und die Renovierung bis hin zu ihrem Abriss und Recycling.

Im Zuge der weltweiten Bemühungen, den Klimawandel zu stoppen und die Treibhausgasemissionen zu reduzieren, ist die Einführung erneuerbarer Energiequellen und anderer emissionsarmer Lösungen unumgänglich geworden, insbesondere in den sogenannten „hard-to-abate sectors“, in denen eine Verringerung der CO2-Emissionen schwer zu erreichen ist. Hierzu zählt auch das Baugewerbe, das für 37 % der weltweiten energiebedingten CO. Positiv zu vermerken ist, dass der Sektor ein enormes ungenutztes Potenzial zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen bietet.

„Wenn es um die Umweltleistung von Baustellen geht, müssen wir die gesamte Bauleistung betrachten und die beginnt schon bei der Planung“, erklärt Thomas Budde Christensen, außerordentlicher Professor an der Universität Roskilde in Dänemark, der an der Schnittstelle zwischen Energie, Ressourcen und Abfall arbeitet.

„Die Art und Weise, wie der Sektor in Europa arbeitet, lässt viel Raum für Verbesserungen. Um mehr Nachhaltigkeit auf den Baustellen zu erreichen, müssen wir darüber nachdenken, wie wir die CO2-Emissionen reduzieren, aber auch, wie wir vorhandene Materialien wiederverwenden und recyceln können. Wir können zum Beispiel Gebäudestrukturen und Baumaterialien wiederverwenden oder Beton zerkleinern und als Füllmaterial für neue Betonbauten verwenden.“

Reduzierung der Emissionen von Baumaschinen

Neben der Suche nach Möglichkeiten zur Wiederverwendung von Materialien und zur Verringerung von Bauabfällen sowie der Entwicklung von emissionsarmen Alternativen zu den derzeit verwendeten Baumaterialien muss die Industrie auch die Emissionen aus den eingesetzten dieselbetriebenen Baumaschinen wie Bulldozern oder Kränen berücksichtigen.

Elektrifizierung ist immer noch weitgehend ein leeres Schlagwort, wenn es um schwere Maschinen geht. Da sich die Batterie- und Ladetechnik verbessert, können elektrische Maschinen eine gute Option werden. Aber eine andere Lösung zur deutlichen Verringerung des CO2-Fußabdrucks auf Baustellen von Gebäuden und Infrastrukturen ist bereits heute verfügbar: Erneuerbarer Diesel, der den herkömmlichen Diesel in den vorhandenen Maschinen einfach ersetzen kann.

Produkte wie Neste MY Renewable Diesel™ können im Vergleich zu fossilem Diesel die Treibhausgasemissionen über den Lebenszyklus des Kraftstoffs um 75 bis 95 %* reduzieren. Erneuerbarer Diesel kann auch zur Verbesserung der Luftqualität auf Baustellen beitragen, da er sauberer verbrennt als herkömmlicher Diesel.

Bewältigung der Herausforderungen bei der Einführung erneuerbarer Lösungen

Die Einführung erneuerbarer Lösungen, wie z. B. erneuerbarer Diesel, auf Großbaustellen stellt jedoch eine Herausforderung dar und erfordert eine Veränderung der gewohnten Arbeitsabläufe auf Baustellen.

„Erneuerbarer Diesel ist eine fertige Lösung, auf die man sehr leicht umsteigen kann, aber die Herausforderung besteht in der Verifizierung seiner Verwendung", erklärt Kirsi Liira, Leiterin für nachhaltige Lösungen und Partnerschaften bei Neste, und fügt hinzu, dass hierzu eine neue Denkweise und bessere Daten erforderlich sind. „Bei unserem laufenden Pilotprojekt in Helsinki [Finnland] verfolgen wir beispielsweise die Verwendung von erneuerbarem Diesel mit RFID-Etiketten und sammeln zuverlässige Daten zur Berechnung des Kraftstoffverbrauchs und der erzeugten Emissionen.“

Die meisten Ansätze für nachhaltigeres Bauen sind immer noch teuer: Die Herstellung von erneuerbarem Diesel ist kostspieliger, nachhaltige Materialien wie Holz sind oft knapp und daher teurer und die Entwicklung von elektrischen Schwerlastmaschinen und der dazugehörigen Ladetechnik und -infrastruktur benötigt mehr Mittel.

Darüber hinaus ist der politische Wille entscheidend. Staatliche Kostenentlastungen können zur Verbesserung der Nachhaltigkeit auf Baustellen beitragen, indem beispielsweise Fuhrparkleitern hierdurch ein Anreiz geboten wird, erneuerbaren Diesel zu einem günstigeren Preis als für herkömmlichen Diesel zu kaufen. Ein weiterer wichtiger Ansatz ist die allgemeine Senkung des Kraftstoffverbrauchs.

Das EU-Projekt City Loops zeigt, wie die Kreislaufwirtschaft im Bau- und Abbruchgewerbe funktionieren kann. Thomas Budde Christensen erklärt: „Das erste, was auf einer Baustelle passiert, ist, dass man ein großes Loch gräbt. Der Erdboden wird oft unterschätzt, aber er ist ein wichtiger Bestandteil der Nachhaltigkeit im Bauwesen. Derzeit fahren wir die Erde von der Baustelle ab und dann wieder zurück, was bedeutet, dass viele unnötige Transporte anfallen. Mit unseren Demonstrationsprojekten zeigen wir, wie man das besser machen kann.“

Im Rahmen des City Loops-Projekts wurde außerdem ein Werkzeug zur Berechnung der Kohlenstoffemissionen im Bauwesen bereitgestellt. „Ich denke, dass die gezielten gesetzlichen Vorschriften und Regelungen für Abbruch- und Rückbauarbeiten ein guter Ausgangspunkt sind“, fügt Christensen hinzu. „Aber wir müssen auch die Arbeit auf den Baustellen besser organisieren, was vertragliche Vereinbarungen, wirtschaftliche und planerische Entscheidungen und die Schulung der im Baugewerbe tätigen Personen in nachhaltigen Praktiken angeht.“

Der Weg zu Netto-Null-Emissionen erfordert sektorübergreifende Partnerschaften

Nachhaltiges Bauen ist Teil unseres Weges in eine Zukunft mit Netto-Null-Emissionen. Damit sich der Markt ändert, muss es ein klares Signal von Seiten der Käufer geben und es müssen mögliche Boni oder Sanktionen vorgesehen werden, die zu Emissionsreduktionen führen. „In Schweden gibt es gute Beispiele für diese Art von Projekten. Ich bin sehr froh, dass wir mit unseren Partnern gemeinsam bewährte Praktiken erarbeiten, denn ich glaube, dass nachhaltige Partnerschaften im Mittelpunkt unserer Arbeit und Bemühungen stehen, unseren Kunden dabei zu helfen, ihre Treibhausgasemissionen zu reduzieren“, sagt Kirsi Liira. Sie ist davon überzeugt, dass die Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Akteuren an Netto-Null-Standorten von entscheidender Bedeutung ist, angefangen bei der Bewusstseinsbildung. Es braucht strategische Partnerschaften und Pilotprojekte wie City Loops, um diesen Aspekt des Übergangs zu erneuerbaren Alternativen und zur Kreislaufwirtschaft zu unterstützen.

Stéphane Quefelec, der bei der Europäischen Umweltagentur (EUA) in den Bereichen Klimawandel und Energie arbeitet, erläutert seine Vision der Baustelle der Zukunft: „Um das EU-Ziel der Klimaneutralität zu erreichen, ist die Verringerung der CO2-Emissionen von Gebäuden entscheidend. Bei der EUA betrachten wir Gebäude als System und unter Berücksichtigung ihrer verschiedenen Lebensphasen.“

Die Energieleistung ist ein wichtiger Beitrag zur Verringerung der Emissionen. Wir müssen bestehende Gebäude massiv energetisch sanieren, um sie energieeffizienter zu machen und auch die Art und Weise, wie wir diese Maßnahmen durchführen, ist wichtig – von der Wahl der Bauprodukte bis hin zu den Praktiken der Kreislaufwirtschaft. In 30 Jahren wird die Umgestaltung der Bauindustrie hoffentlich gelungen sein. Dann werden kohlenstoffarme und energieeffiziente Produkte verwendet bzw. verarbeitet und die Gebäude erzeugen mit den Solarzellen auf ihren Dächern erneuerbaren Strom und leisten einen Beitrag zum kohlenstoffarmen Energiesystem.“

Wichtig ist, dass mit erneuerbarem Diesel bereits eine Lösung zur Verfügung steht, um die Emissionen zu reduzieren, die bei der Verwendung von Kraftstoff in schweren Maschinen entstehen. „Ich würde den Unternehmen raten, den Nachweis zu verlangen, dass der gewählte erneuerbare Diesel tatsächlich die CO2-Emissionen senkt“, empfiehlt Thomas Budde Christensen. Falls dem so ist, ist er überzeugt, dass erneuerbarer Diesel eine von mehreren Möglichkeiten sein kann, um Baustellen nachhaltiger zu gestalten. „Es ist jetzt an der Zeit zu handeln und die ersten Schritte zu unternehmen, um das Potenzial der erneuerbaren Energieträger im Bauwesen zu nutzen: Erneuerbarer Diesel ist jetzt schon eine der Lösungen“, betont Kirsi Liira.

*) Der Prozentsatz, um den die THG-Emissionen reduziert werden können, variiert je nach den für eine Region geltenden Gesetzen, welche die Methode für die Berechnungen festlegen (z. B. die EU-Richtlinie für erneuerbare Energien II 2018/2001/EU und der Low-Carbon Fuel Standard (LCFS) des US-Bundesstaates Kalifornien), und je nachdem in der Produktion eingesetzten marktspezifischen Rohstoffmix.

Credits:

Laura Puttkamer, freie Journalistin für urbane Nachhaltigkeit, die sich auf innovative Lösungen konzentriert, die unsere Städte nachhaltiger und klimafreundlicher machen. Die ursprünglich in Deutschland geborene Journalistin lebt in London und schreibt für Architektur- und Stadtplanungszeitschriften.